„Gemeinsam zum Erfolg“ – Sven Glatter, Geschäftsführer comTeam, über 30 Jahre comTeam, aktuelle Herausforderungen und die Strategie des Systemhausverbundes

Herr Glatter, 30 Jahre comTeam – was waren aus Ihrer Sicht die entscheidendsten Veränderungen in der IT?
Wir haben einige grundlegende Veränderungen in den Arbeitsabläufen quer durch alle Branchen erlebt. Los ging’s mit dem PC, weiter zur zunehmenden Vernetzung durch das Internet und mittlerweile stehen wir vor den Herausforderungen der mobilen Kommunikation. Die technischen Möglichkeiten haben Arbeitsweisen in Unternehmen komplett verändert und damit auch der IT eine neue und viel zentralere Rolle zugewiesen. Themen wie die Cloud oder „Big Data“ zeigen das sehr eindrücklich.

 
Und wie hat sich der Systemhausverbund analog zu diesen Herausforderungen verändert?
Als comTeam 1984 gegründet wurde, war das Ziel, Computerhändlern und Systemhäusern verbesserte Einkaufsmöglichkeiten zu eröffnen. Services wie Marketing, Projektunterstützung, Schulungen und vieles mehr spielten ebenfalls bald eine Rolle und wurden mit dem Anschluss an ElectronicPartner im Jahr 2000 kontinuierlich weiter ausgebaut. Heute liegt eines unserer Hauptmerkmale darauf, Mitglieder untereinander zu vernetzen. Das ist wiederum dem Branchenwandel geschuldet. Einen PC von der Stange zu verkaufen, macht kein Systemhaus aus – vielmehr liegt die Kernkompetenz in der lösungsorientierten Betreuung bis hin zur Entwicklung einer individuellen Software. 


Und wie stellen Sie diesen Austausch sicher?

Wir setzen auf klassische Veranstaltungsformate wie unsere Systemhauskonferenz, erproben aber auch neue Konzepte wie das „Geschäftsführer Praktikum“, bei dem sich Kollegen gegenseitig über die Schulter schauen und so von den Ansätzen anderer lernen. Auch unsere jährliche Motorradtour ist ein tolles Beispiel dafür, wie Fachleute durch gemeinsame Aktivitäten in einen informellen Austausch ohne Konkurrenzdenken treten können.


Welchen Beitrag leistet aus Ihrer Sicht der Rückhalt eines starken Verbundes zum Erfolg?  
Eine starke Gemeinschaft hilft enorm, neue Technologien zu verstehen und vor allem zu vermarkten. Wir bieten bei comTeam ein umfassendes Weiterbildungsprogramm an, das zielgerichtet die wichtigsten Branchenthemen abdeckt. Außerdem unterstützen wir unsere Systemhäuser im Einkauf und beim Marketing – damit bleibt mehr Freiraum, sich auf das Tagesgeschäft und die Betreuung der eigenen Kunden zu konzentrieren.


Kritiker prognostizieren nicht nur ein „Fachhandelssterben“, sondern auch das Verschwinden kleinerer Systemhäuser. Wie stehen Sie zu dieser These? 

Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Fakt ist: Der Markt und unsere Branche verändern sich rasant und wer heute noch sein Geschäft wie noch vor fünf oder zehn Jahren führen will, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wer aber neue Wege geht, auch in der Beratung seiner Kunden und bei der Vermarktung aktueller Produkte, hat eine mehr als reelle Chance. Wir haben zum Beispiel bei comTeam im Jahr 2013 kein einziges Mitglied durch Insolvenz verloren.